Ein kleines Gedicht über Wertschätzung

Blühende Bäume

Vor Jahren einst im Alten Land

Vor Jahren einst im Alten Land, durch seine Früchte wohlbekannt, begann ein arges Streiten. Da kommen stets die Imker her, in unsrer Bäume Blütenmeer, wir wollen’s nimmer leiden!

Sie schleppen uns den Honig fort, nun reden wir ein ernstes Wort: sie sollen ihn bezahlen!

Von unsern Blüten stammt er ja, und dann sind auch die Stiche da, mit ihren Teufelsqualen! Beschlossen war’s zu dieser Stund, man machte es den Imkern kund.

Da bleiben sie zu Hause, sie sagten’s – und es bleib dabei. Sie machten mit der Wanderei für Jahre eine Pause.

Der Obstbaum stand und trauerte, und jede Blüte lauerte umsonst auf eine Biene. Und jeden Herbst im Alten Land, der Bauer vor den Bäumen stand, mit kummervoller Miene.

Denn mit dem Segen war’s vorbei, nun sah man wie verkehrt es sei, den Imker zu vergrämen. Und wer dereinst mit Spott und Hohn, vom Imker heischte Geldeslohn, begann sich tief zu schämen.

Und allesamt begriffen sie, es sei des Imkers große Müh, zu aller Nutz und Frommen, drum baten sie nun umgekehrt, um Gotteslohn und Geldeswert, er möge wiederkommen.

Nun sieht man, wie es einstens war, zur Blütenzeit in jedem Jahr, ein großes Bienenwandern. Und jedem ist im Alten Land, des Imkers Leistung wohlbekannt, zum Segen für die andern!

von Edmund Herold aus “Der Bienen-Narr”

 

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