Killerbienen

Ich sitze im Schutzanzug auf meiner Terrasse, da mein einziges Buckfastvolk aus dem letzten Jahr zu einem Killervolk mutiert ist. Was mit ein oder zwei Wächterbienen vor drei bis vier Wochen begann ist zu gleichzeitig angreifenden (bevorzugt Gesicht und Kopf) sechs bis acht Bienen ausgewachsen. Gestern war es dann so schlimm, dass mein Mann innerhalb kürzester Zeit zweimal in den Kopf gestochen wurde, woraufhin Kind, Mann und Tiere sofort ins Haus flohen. Die Bienen verfolgten uns jedoch bis ins Haus, so dass wir alle Türen und Fenster schliessen mussten. Die, die reingekommen waren, wurden abgeschlachtet – im wahrsten Sinne des Wortes.

Ich habe dann meinen Schutzanzug angezogen und als erstes die Beute verschlossen. Natürlich wusste ich, dass noch viele Flugbienen unterwegs waren, aber es musste verhindert werden, dass mit zunehmender Temperatur und Tageszeit noch mehr ausfliegen. Des Weiteren hatte ich große Angst, dass auch die Nachbarn angegriffen werden. Schnell hatte ich die Honigräume ohne größere Bienenverluste heruntergenommen und flugundicht gemacht, gleiches galt für den Brutraum. Alles wurde verzurrt und ab in Nachbars Garten (großer, tiefer Garten – und was viel wichtiger war, die Nachbarn sind die ganze Woche im Urlaub und ich hatte für „Notfälle“ einen Schlüssel – dies war ein NOTFALL)! Danach habe ich an dem alten Standplatz eine leere Brutraumzarge, gefüllt mit ausgeschleuderten Honigrähmchen, aufgestellt. Die Flugbienen mussten nun angelockt und eingefangen werden.

Leider war es uns für den Rest des Tages nicht mehr möglich in unseren Garten zu nutzen – wenn, dann nur mit Schutzkleidung. Mein Mann legte sich mit starken Kopfschmerzen, Schmerzmittel, Kühlpack ins Bett – zwei Stiche sind extrem heftig!! Unser Sohn und ich misteten bei schönsten Sonnenwetter alte Spielsachen für den bevorstehenden Trödel aus – wir versuchten aus der Misere das beste zu machen! Alle Fenster waren und blieben bis Sonnenuntergang geschlossen, denn die Biester versuchten tatsächlich durch den kleinsten Schlitz hereinzukommen.

Als es dann später Abend war und alle Bienenflüge abgeschlossen waren, brachte ich die neue Bienenbeute zu den anderen in Nachbars Garten und tötete alle Bienen, die sich ausserhalb der Beute befanden. Hoffnungsvoll, dass nun Ruhe einkehren würde, ging ich ins Bett.

Der nächste Morgen belehrte mich eines Besseren. Kaum hatte ich das Badezimmerfenster geöffnet, waren zwei Biester schon drinnen, als hätten sie nur darauf gewartet. Ich war kurz vorm Verzweifeln… was wäre jetzt der nächste Schritt? Meine Männer schliefen noch und wie gerne wollte ich diesen Sommertag draussen im Garten verbringen. Hatten sich eventuell einige Biester in die Nachbarbeute eingebettelt? Sollte ich diese besser verschließen und ebenfalls wegbringen? Beim Blick auf die vielen Flugbienen, die schon unterwegs waren, verwarf ich diesen Gedanken. Ich ging als erstes in den Nachbargarten, einige Bienen hatten sich durch kleinste Schlitze befreien können. Ich klebte nochmal mehr die Schlitze ab und tötete wieder die, die draussen hingen. Es war ein beschissenes Gefühl!! Danach setzte ich mich in Montur auf die Terrasse und tötete alles ab, was mir nahe kam. Ein Geduldsspiel, das bis jetzt, wo ich hier sitze und schreibe, nur kurz durch ein Frühstück unterbrochen, andauert. Aber es wird langsam, aber sicher weniger. Waren die Angriffe vorher ohne Pausen, sitze ich nun schon manchmal einige Minuten ohne Angriff hier, den Kopfschutz bereits leicht nach hinten gelegt. Auch die Hunde trauen sich langsam wieder hinaus, ohne das sie von Gebrumme verfolgt werden.

Zwischendrin griff ich irgendwann zum Telefonhörer, mein Imkervater ist in England im Urlaub, mein Imkerlehrer konnte mir schon gestern nicht weiterhelfen, ausser dem Hinweis, dass es in ein paar Tagen aufhören wird, wenn die Angreifer ihren natürlichen Tod sterben. Ich rief Peter an, Peter ist der Vater von meinem Imkervater und imkert schon seit über 40 Jahren. Ich war völlig aufgelöst, als ich mir endlich alles von der Seele reden konnte – eine verzweifelte Jungimkerin, die mit der Situation überfordert war! Gemeinsam überlegten wir die nächsten Schritte. Er schloss aus, dass sich die Biester im starken Nachbarvolk eingebettelt hatten. Er ging vielmehr davon aus, dass sich es um letzte Irrläufer, die gestern und heute Nacht in der Nähe übernachtet haben (leider war es eine sehr milde Nacht, so dass diese Irrläufer überleben konnten), handelt, die nun total konfus ihr Zuhause suchen. Er unterstütze meine Idee, im Anzug auf der Terrasse zu sitzen und die Angreifer einfach zu töten – ein Geduldsspiel halt! Des Weiteren sollte ich nochmals die alte Beute untersuchen und wirklich jeden Schlitz verschließen. Als ich ihm davon erzählte, diesem Volk eine neue Königin zuzusetzen, riet er mir davon ab. In den vierzig Jahren seiner Imkerei hätte er auch einmal so ein Volk gehabt und ein Königinwechsel hätte nichts gebracht – die Biester würden die neue Königin sofort abstechen. Was also nun mit diesem Volk tun? Er riet mir dazu dieses Volk zu töten, da sie eine Gefahr darstellen. Ein Volk kann abgeschwefelt werden, der Rauch tötet alle Tiere innerhalb kurzer Zeit (5-10 min.). In meinem Fall wäre dies nun sehr schwierig, da das Volk innerhalb des Flugradius verstellt wurde und jede entweichende Biene (beim Beschwefeln muss man das Flugloch öffnen) an den alten Standplatz zurückfliegt (unser Garten), was wiederum eine Gefahr für uns alle darstellt. Ein Transport ausserhalb des Flugradius wäre nicht möglich, da ich zwei Bruträume und zwei sehr schwere Honigräume aufeinander stehen hatte – das kann keiner tragen und es entweichen auch hierbei immer wieder Bienen! Blieb somit nur noch eine Möglichkeit übrig – das Verbrausen! Beim Verbrausen überhitzen die Bienen in der Beute, wenn sie weder Frischluft noch Wasser zum Abkühlen von aussen bekommen. Laut Internetrecherche geht es sehr schnell, nach maximal 15 min. ist der gesamte Bien tot! … Hatte ich gestern noch die Bienen alle paar Stunden mit Wasser durch Wandergitter und Gitterboden besprüht, um ein Verbrausen zu verhindern, würde ich dies nun nicht mehr tun und die Bienen dort stehen lassen, bis sie verbraust sind. Auf den Wanderdeckel setzte ich den normalen Deckel, so dass die Frischluftzufuhr minimiert wird. Ich kann nicht beschreiben, was für ein extrem ätzendes Gefühl das ist!! Da werde ich einige Zeit dran zu knabbern haben….

Bis zum nächsten Mal,

eure total fertige Frau-Biene

 

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