Der große Varroaschreck!

Nachdem mir mein Imkerkollege Martin am Mittwoch mitteilte, dass er bei seinen Bienenstöcken Bienen mit verkrüppelten Flügeln entdeckt hatte, wurde ich unruhig. Direkt nach der Arbeit, als ich mittags nach Hause kam, habe ich die Varroaschublade unter die beiden neuen Völker geschoben. Die Schublade dient dazu, herabfallende Milben, die sich auf den Bienen und vor allem in der Brut befinden, aufzufangen. Nach ca. 24 Stunden werden die herabfallenden Milben gezählt und man hat eine ungefähre Vorstellung davon, wie stark das Volk belastet ist. Unter fünf ist unkritisch, alles ab zehn aufwärts ist nicht gut – hier muss man sehr schnell handeln und die Bienen unverzüglich mit entsprechenden Mitteln behandeln.

Am Abend rief mich mein Mann in den Garten und zeigte mir ca. fünf bis sieben Meter von meinen neuen Bienen entfernt eine Stelle mit vielen verendeten, teilweise verkrüppelten Bienen, die er kurz vorher entdeckt hatte. Ich bekam einen großen Schreck, ging sofort zu den Bienenbeuten und zog die Schubladen heraus. Diese waren beim ersten Volk total übersät mit Milben… es waren eindeutig mehr als 100!! Beim zweiten Volk sah es nicht ganz so schlimm aus, aber auch deutlich mehr als 10…

Ich nahm sofort mit meinen Imkerpaten Kontakt auf, um die Situation zu schildern und die beste Vorgehensweise durchzusprechen. Eine sofortige Behandlung war dringend notwendig. Zum Glück hatte mein Imkernachbar eine Flasche Milchsäure, so dass ich die vorhandenen Bienen behandeln konnte. Die vorhandene, verdeckelte Brut konnte ich damit jedoch nicht gegen die Milben behandeln, da die Milchsäure nicht in die Brut eindringt. Jedes Rähmchen wurde herausgenommen und eingesprüht, die Königinnen, welche sich noch im Käfig befanden, wurden dabei ausgelassen. Bei diesen erfolgt die Benetzung mit der Säure durch die Versorgerbienen, die sich nur um die Königin kümmern.

Am nächsten Morgen stand ich um acht Uhr beim Imkerbedarf Müngersdorff in Köln auf der Matte. Herr Müngersdorff hörte sich meinen Kummer an und zusammen berieten wir die nächsten Schritte. Ich packte noch ein, was mir fehlte und das direkt doppelt, denn mein Imkerkollege Martin musste ja parallel seine Völker identisch behandeln. Alles wurde nochmal mit unseren Imkerpaten gegen gesprochen und Termine festgelegt. Mein Imkerpate wollte auf jeden Fall die beiden Völker anschauen und mich dabei unterstützen, diese richtig zu behandeln. Das war für mich eine große Erleichterung, denn ich hatte große Angst vor allem das kleinere Volk, welches stark verseucht war, zu verlieren.

Am heutigen Sonntag war es dann soweit. Die am Donnerstag befreiten Königinnen hatten ein paar Tage Zeit sich im Volk zu orientieren und wir konnten nun die notwendigen Schritte einleiten, um der blöden Varroa an den Kragen zu gehen.

Die Durchsicht des ersten Volkes war mehr als ernüchternd. Viele verkrüppelte sowie auf den Waben herumlaufende Bienen mit Milbenbesatz, viele tote oder nicht überlebensfähge Bienen, die gerade am Schlüpfen waren… aber auch genug gesunde Bienen und eine vitale Königin. Nachdem wir alle Rähmchen gesehen hatten, wurden die Bienen in die Beute abgeschlagen und die alten Rähmchen mitsamt der verdeckelten Brut in blaue Tüten gesteckt und entsorgt – die Pest muss ausgemerzt werden!! Wir gaben dem „Kunstschwarm“, der jetzt die Größe von meinem ersten Volk im April hatte, vier neue Mittelwände und eine große Futtertasche voll mit Flüssigfutter, damit die verbliebenen Bienen schnell mit dem Wabenbau beginnen können (dafür brauchen sie viel Energie in Form von Flüssigfutter). Sieben Tage werden wir die Entwicklung abwarten und dann wird entschieden, ob das Volk die Kraft und Größe hat, um schnell genug zu wachsen und damit stark genug in den Winter zu gehen. Sollte es nicht genug Kraft haben, so wird es mit dem anderen Volk vereint, denn nur starke Völker überleben den Winter!

Die Durchsicht des zweiten Volkes stimmte uns wieder etwas zuversichtlicher. Kaum eine verkrüppelte Biene, die stichprobenartig untersuchte Brut war Milben-frei, die Bienen sahen normal entwickelt aus und auf den herumlaufenden Bienen war kein Milbenbesatz erkennbar. Mein Imkerpate entschied sich dafür die Rähmchen zu behalten und nicht zu entsorgen. Eine Kontrolle in sieben Tagen würde zeigen, ob die Stichproben Recht oder ob es doch eine größere Verseuchung geben würde. Es wurden noch zwei Mittelwände hinzu gegeben, damit diese bereits ausgebaut werden können – für den Fall, dass wir doch noch alles entsorgen müssen, kann die Königin hier sofort Stifte legen.

Nach zwei Stunden waren wir fertig. Morgen würde ich die beiden Völker nochmal vorsichtig mit Milchsäure behandeln, dann ist zwei Wochen Behandlungspause und dann nochmal… Jetzt heißt es Daumen drücken, dass das schwache Volk durchkommt und das zweite Volk durch die verdeckelte Brut nicht noch verseucht wird.

Mein Imkerpate fand es schade, dass ich schon so früh mit dem Varroabefall konfrontiert wurde, anstatt die beiden zusätzlichen Völker mit Honigertrag geniessen zu können. Ich selber sehe diesen Erfahrungschatz positiv. Mein Blick ist jetzt wesentlich geschärfter bei der Durchsicht der Völker und ich beobachte die Bienen nochmal wieder anders. Ich glaube fest daran, dass die beiden Völker die Invasion gut überstehen und stark genug für den Winter werden. Es ist erst Anfang Juli, die wichtigsten Trachten sind vorbei, aber es gibt noch genug im Angebot, es werden noch viele warme Tage kommen und meine Bienen werden das schaffen.

Bis bald, Eure Frau-Biene

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